Die rich­ti­gen Ent­schei­dun­gen treffen – Unter­neh­mens­füh­rung in der Krise

3. April 2020

Ob als Geschäfts­füh­rer, Vor­stand, Inhaber oder Füh­rungs­kraft, momen­tan haben Sie vor­aus­sicht­lich alle Hände voll zu tun! Die Kom­ple­xi­tät, mit der Sie und Ihr Unter­neh­men umgehen müssen, hat durch die Krise spürbar zuge­nom­men. Das heißt, vor allem, völlig neue Anfor­de­run­gen in schnel­ler Taktung zu bear­bei­ten, ohne dass klar ist, wo die Reise hingeht. Und wahr­schein­lich wird von Ihnen erwar­tet, dass Sie jetzt die rich­ti­gen Ent­schei­dun­gen treffen. Die Frage lautet: Müssen Sie denn jetzt alle Ent­schei­dun­gen selbst treffen?

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Was Sie ent­schei­den sollten:

Für eine Ent­schei­dung, die in einer kom­ple­xen Situa­tion getrof­fen wird, lassen sich die daraus ent­ste­hen­den, zukünf­ti­gen Aus­wir­kun­gen nicht vor­her­sa­gen. Man kann nicht wissen, ob sich die Ent­schei­dung als »richtig« oder »falsch« her­aus­stel­len wird. Das ist kein Makel, sondern die grund­le­gende Eigen­schaft echter Ent­schei­dun­gen: sie werden unter Unge­wiss­heit getrof­fen. Anders­herum gesagt, wenn man durch eine Analyse der Hand­lungs­op­tio­nen fest­stel­len könnte, welche davon die beste ist, dann müsste man diese nur noch umset­zen. Es gäbe keine echten Alter­na­ti­ven und es bliebe nichts zu ent­schei­den. Ohne Alter­na­ti­ven keine Unsi­cher­heit, ohne Unsi­cher­heit keine Ent­schei­dung.

Ent­schei­dun­gen werden aber nicht nur unter Unge­wiss­heit getrof­fen, sondern ihre wesent­li­che Funk­tion besteht darin, eben­diese Unge­wiss­heit zu bewäl­ti­gen. Indem man sich für eine Alter­na­tive ent­schei­det, fallen alle anderen Alter­na­ti­ven weg. Man legt sich auf ein Zukunfts­sze­na­rio fest, auf das sich alle Men­schen in der Orga­ni­sa­tion in ihrem Handeln aus­rich­ten können. Unsi­cher­heit, Viel­deu­tig­keit und Ambi­va­lenz werden aus­ge­blen­det. Man ersetzt sie durch das Risiko, sich für die falsche Zukunft ent­schie­den zu haben. Wer zum Ende des letzten Jahres zum Bei­spiel eine Umsatz- oder Bud­get­pla­nung für 2020 gemacht hat, dessen ange­nom­me­nes Zukunfts­sze­na­rio hat sich inzwi­schen wahr­schein­lich als falsch her­aus­ge­stellt. Man könnte jetzt darüber nach­den­ken, inwie­weit solche tra­di­tio­nel­len Pla­nungs­zy­klen in der heu­ti­gen Zeit über­haupt noch rea­lis­tisch sind, oder ob man auf Manage­ment­prak­ti­ken mit Vor­her­sa­ge­an­spruch auch ver­zich­ten könnte, aller­dings bleibt trotz­dem der ihnen inne­woh­nende Wunsch nach Sicher­heit, Ori­en­tie­rung und Ordnung bestehen. Aber dieses Thema ver­tie­fen wir ein anderes Mal.

Klar ist, dass gerade in tur­bu­len­ten Zeiten Ent­schei­dun­gen getrof­fen werden müssen, um hand­lungs­fä­hig zu bleiben. Denn zu viele Optio­nen sorgen oft für Über­for­de­rung. Das kann man am Bei­spiel einer Urlaubs­pla­nung ver­deut­li­chen. Allein das reich­hal­tige Angebot unter­schied­li­cher Rei­se­ziele kann über­wäl­ti­gend wirken. Wer hier den Anspruch hat, das beste Angebot zu finden, wird schnell hand­lungs­un­fä­hig. Es braucht zunächst eine oder mehrere Ent­schei­dun­gen: Meer oder Berge, Stadt oder Land, Nah- oder Fern­ziel? Jede dieser Ent­schei­dun­gen redu­ziert die Mög­lich­kei­ten und macht die Buchung eines kon­kre­ten Ange­bots (Hand­lung) wahr­schein­li­cher. Die gleiche Logik gilt auch für Unter­neh­men: Para­do­xer­weise wird erst durch diese Ein­schrän­kung von Optio­nen die Hand­lungs­fä­hig­keit der Orga­ni­sa­tion ermög­licht. In den letzten Tagen haben sich einige Unter­neh­mer zum Bei­spiel ent­schie­den, die Pro­duk­tion ab sofort im Schicht­be­trieb zu orga­ni­sie­ren, um die Anzahl der Kon­takte zwi­schen den Mit­ar­bei­ten­den zu redu­zie­ren. Damit waren andere Optio­nen, wie die räum­li­che Reor­ga­ni­sa­tion oder bau­li­che Maß­nah­men vom Tisch und die Mit­ar­bei­ten­den konnten sich anhand des neuen Rahmens ziel­ge­rich­tet orga­ni­sie­ren.

Ent­schei­dun­gen, die sich auf die Hand­lungs­mög­lich­kei­ten aller Men­schen im Unter­neh­men aus­wir­ken und ihnen damit die not­wen­dige Ori­en­tie­rung und Aus­rich­tung geben, könnte man als stra­te­gi­sche Ent­schei­dun­gen bezeich­nen. Sie setzen den Rahmen für das Handeln der Men­schen.

Für Sie bedeu­tet das: Treffen Sie die stra­te­gi­schen Ent­schei­dun­gen, die not­wen­dig sind, um den Men­schen in Ihrem Unter­neh­men grund­le­gende Ori­en­tie­rung für ihr Handeln zu geben. Hiermit ver­hin­dern Sie, dass sie auf­grund der Unge­wiss­heit in Hand­lungs­un­fä­hig­keit ver­fal­len.

Was Sie nicht ent­schei­den sollten:

Aber Achtung: Nicht jede Ent­schei­dung, die momen­tan an Sie her­an­ge­tra­gen wird, gehört in die oben beschrie­bene Kate­go­rie! Ins­be­son­dere in Kri­sen­si­tua­tio­nen kann es pas­sie­ren, dass Men­schen in Ihrem Unter­neh­men ope­ra­tive Ent­schei­dungs­be­darfe an Sie her­an­tra­gen, die sie eigent­lich auch selbst ent­schei­den könnten: Wie sollten wir diese Kun­den­an­frage bear­bei­ten? Wie kom­pen­sie­ren wir krank­heits­be­dingte Aus­fälle? Welches Tool sollen wir nutzen, um uns mit den Kol­le­gIn­nen im Home­of­fice aus­zu­tau­schen? Die Gefahr besteht darin, dass Sie das akzep­tie­ren und anfan­gen, Ent­schei­dun­gen für andere zu treffen. Wahr­schein­lich mit besten Absich­ten und im Glauben, sich selbst und anderen damit zu helfen.

Daraus ergeben sich zwei Pro­bleme: Zum einen bleibt Ihnen bei der Aus­ein­an­der­set­zung mit der Viel­zahl an ope­ra­ti­ven Ent­schei­dun­gen kaum noch Zeit für die not­wen­di­gen stra­te­gi­schen Ent­schei­dun­gen. Oder Sie werden zum Fla­schen­hals im ope­ra­ti­ven Handeln, weil alle auf Ihre Ent­schei­dun­gen warten. Zum anderen ent­las­sen Sie die Men­schen dadurch aus ihrer Ver­ant­wor­tung. Dabei ist es gerade jetzt wichtig, dass alle sich ihrer Ver­ant­wor­tung für den gemein­sa­men Erfolg bewusst werden und eigen­ver­ant­wort­lich die Her­aus­for­de­run­gen angehen, denen sich Ihr Unter­neh­men im Moment stellen muss. Wer die Ver­ant­wor­tung auf den Chef abschiebt und erwar­tet, dass dieser das »Ruder in die Hand nimmt« und die rich­ti­gen Ent­schei­dun­gen treffen wird, um das Unter­neh­men durch die Krise zu steuern, der handelt ver­ant­wor­tungs­los.

Für Sie bedeu­tet das: Ermög­li­chen Sie den Men­schen, in Ihrem Unter­neh­men eigen­ver­ant­wort­lich ope­ra­tive Ent­schei­dun­gen zu treffen und geben Sie solche Ent­schei­dungs­auf­träge kon­se­quent zurück, wenn sie an Sie her­an­ge­tra­gen werden.

Wir können Ihnen auch nicht sagen, welche Ihrer Ent­schei­dun­gen sich als richtig her­aus­stel­len wird. Aber wir möchten Sie ermu­ti­gen, zu ent­schei­den, welche Ent­schei­dun­gen Sie wirk­lich selbst treffen müssen.

Eine Leit­frage dafür könnte sein: 

Ist es wahr­schein­li­cher, dass durch meine Ent­schei­dung mehr Initia­tive bei den Men­schen ent­steht, oder dass sie ver­hin­dert wird?

Herz­li­che Grüße,

Ole Harders & Mat­thias Köhne­cke

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