Feel­good-Mana­ge­­ment: „Gut gemeint“ ist das Gegen­teil von „gut“.

28. August 2018

Wie wichtig begriff­li­che Unter­schei­dun­gen sind, z. B. zwi­schen Arbeit und Zusam­men­ar­beit, ist mir jüngst in einem Artikel zum Thema Feel­good-Mana­ge­­ment auf­ge­fal­len. Da ist aus einem (sprach­li­chen) Miss­ver­ständ­nis doch glatt eine neue Berufs­gruppe ent­stan­den:

Der/die Feel­good-Mana­ger/in.

Die gute Seele der Orga­ni­sa­tion. Ein/e interne/r Eventmanager/in für betrieb­li­che Spaß­ver­an­stal­tun­gen. Er oder sie kümmert sich um gemein­same Yoga-Ses­­si­ons, Kno­bel­abende und Koch-Events, sorgt dafür, dass der Obst­korb immer prall gefüllt ist und dass es ins­ge­samt einfach schön ist bei der Arbeit. Er oder sie spricht viel, spielt Seelsorger/in und soll dann auch noch aktiv die Unter­nehmens­kultur gestal­ten. Spä­tes­tens hier wird die Absur­di­tät dieser Idee deut­lich. Unter dem Strich geht es bei Arbeit eben immer noch um Arbeit. Also echte, wert­schöp­fende Tätig­keit für einen (zah­len­den) Kunden, und nicht um schöner Wohnen.

In Abgren­zung dazu spricht über­haupt gar nichts dagegen, dass Zusam­men­ar­beit Spaß macht und die Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen gut mit­ein­an­der umgehen, sich mögen und zum Sport oder Fei­er­abend­bier ver­ab­re­den. Dass es gratis Obst und Wasser gibt und der obli­ga­to­ri­sche Tisch­ki­cker Sam­mel­stelle für launige Ses­si­ons ist: alles gut und schön.
Ein ange­neh­mes Betriebs­klima jedoch in Form einer extra dafür geschaf­fe­nen Stelle insti­tu­tio­na­li­sie­ren zu wollen schießt mei­len­weit am Ziel vorbei.
Es folgt einer fal­schen Logik. Wenn ein ange­neh­mes Betriebs­klima herrscht, dann ver­ab­re­den sich die Kolleg/innen (mög­li­cher­weise) zum Fei­er­abend­bier oder zum Sport. Nicht anders­herum. Die Idee, dies als Orga­ni­sa­tion aktiv steuern zu wollen, trägt doch ein ganz furcht­ba­res Men­schen­bild in sich. Frei nach dem Motto: „Ist die Stim­mung mies, dann sorgen wir eben dafür, dass unsere Leute endlich mal zur Ver­nunft kommen und nett zuein­an­der sind.“
Diese Denke seitens Orga­ni­sa­tio­nen finde ich höchst über­grif­fig und unan­stän­dig. So, als wären Mit­ar­bei­ter unmün­dige Kinder, die man zu irgend­et­was erzie­hen müsse.

„Mitarbeiter/innen“, also erwach­sene Men­schen (nur um das noch einmal in Erin­ne­rung zu rufen), bauen Häuser, nehmen Kredite auf, erzie­hen Kinder, enga­gie­ren sich ehren­amt­lich und treffen ständig, völlig eigen­ver­ant­wort­lich Ent­schei­dun­gen, mit deren Kon­se­quen­zen sie dann auch umzu­ge­hen wissen.
Statt mit Feel­good-Mana­ge­­ment künst­li­che Bespa­ßung zu ver­ord­nen, sollten wir anfan­gen, „Mitarbeiter/innen“ endlich wie mündige Erwach­sene zu behan­deln.
Ich traue erwach­se­nen Men­schen grund­sätz­lich zu, selbst ent­schei­den zu können, ob sie Yoga oder Sport mit ihren Kolleg/innen machen wollen oder nicht. Ob sie nach Fei­er­abend noch „auf ein Bier gehen“ oder eben nicht. Ver­ord­nen kann man das jeden­falls nicht. Zumin­dest sollte man das nicht tun. Jeden­falls sind unmo­ti­vierte Mit­ar­bei­ter durch schöne „Flucht­ver­hin­de­rungs­sys­teme“, wie es der Autor Rein­hard Spren­ger tref­fend auf den Punkt bringt, bestimmt nicht zufrie­de­ner mit ihrer eigent­li­chen Arbeit.

Halten wir einmal fest: Gute Zusam­men­ar­beit ent­steht ganz natür­lich, wenn Men­schen ihre Arbeit als gut erleben. Dafür müssen sie selbst­be­stimmt und autonom arbei­ten dürfen, um echte Pro­bleme zu lösen, an denen sie wachsen können. Arbeit muss sinn­voll, also wert-schöp­­fend sein. Das allein reicht völlig aus, damit Men­schen zufrie­den und moti­viert arbei­ten. Unter­neh­men sollten sich darum kümmern, die Wert­schöp­fung nicht zu behin­dern und Mitarbeiter/innen den Raum lassen, Zusam­men­ar­beit für sich selbst zu gestal­ten. Wenn dabei her­aus­kommt, dass Kegel­abende und Tisch­ki­cker­ses­si­ons aus­drück­lich von den Mit­ar­bei­tern gewünscht sind, dann dürfen Orga­ni­sa­tio­nen das gerne unter­stüt­zen. Aber bitte erst dann.

- ein Kom­men­tar von Arne Schrö­der

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